Der Mensch Ist Verurteilt Frei Zu Sein Essay Help

Man stelle sich folgende Sitaution vor: Ein Gymnasium. Im Sommer. Es ist heiß! Montag. 5. und 6. Stunde. Philosophie. Schweiß im Gedankenstübchen. Thema: Jean-Paul Sartre (1905-1980) und sein Freiheitsverständnis als Synthese von Determinismus und Indeterminismus. Puh! Zwei Schreibgespräche:



La: Sartre sieht den Menschen als ein sehr freies Wesen an, so ist er zwar dazu verurteilt, frei zu sein, dass heißt Entscheidungen treffen zu müssen, dennoch hat der Mensch in jeder Situation eine Reihe von Möglichkeiten, aus denen er wählen kann. Das geht soweit, dass der Mensch durch sein Handeln entscheiden kann, wer und wie er ist. Er kann sich selbst ohne höhere Gewalt gestalten.

Le: Ob der Mensch nach Sartre sehr frei ist, ist eher eine Frage als eine Feststellung, denn er ist dazu verurteilt frei zu sein. Diese Wahl, ob er frei ist oder nicht, ist vorherbestimmt und beeinflusst somit jede weitere Entscheidung, die der Mensch trifft. Inwieweit schränkt eine höhere Gewalt den Menschen denn in seinem Selbstschaffen ein? Er schafft sich nach dem, was er zu sein plant und nicht nach dem, was er sein wollen wird.


La: Ich vermute mal, dass es bei Sartre keinen Gott gibt, der den Menschen und seine Natur gestaltet. Darüber hinaus sagt er, dass der Mensch für jedes Handeln selbst verantwortlich ist, und es somit aus ihm selbst kommt.

Le: Kein Gott oder etwas Gottähnliches gestaltet den Menschen und seine Natur, doch die Natur gibt dem Menschen einen Rahmen, eine Einschränkung. Somit muss der Mensch in seinem sich Selbstschaffen eingeschränkt / beeinflusst sein. Wird der Mensch hiernach nicht viel mehr geschaffen, als er sich selbst schafft? „Verurteilt, frei zu sein“ , schränkt das nicht die volle Freiheit des Menschen ein und lässt ihm nur eine Freiheit in einer bestimmten Umgebung / Natur?!

La: Der Mensch ist auf jeden Fall in seiner Handlungsfreiheit eingeschränkt, doch für das „Frei sein“ ist das Erreichen des Ziels nicht von Bedeutung. „Frei sein“ heißt laut Sartre nur, dass „man sich dazu bestimmt, durch sich selbst zu wollen“. Darüber hinaus ist der Mensch durch die Natur nur in physischen Aspekten eingeschränkt. Seinen Willen und Entscheidungen betreffend ist er nur durch sich selbst beschränkt. Die volle Freiheit schränkt das zwar ein, aber ohne den Zwang Entscheidungen zu treffen, ohne Widerstände würde der Begriff der Freiheit an Bedeutung verlieren. Und in allen anderen Bereichen kann der Mensch frei Entscheidungen treffen. Glaubst du, dass z.B. ein Mensch mit Zwängen nach Sartre frei ist?

Le: In dem Punkt, dass Freiheit Zwang zur Entscheidung braucht, um zu existieren, stimme ich dir voll und ganz zu. Er kann nach Sartre in allen Bereichen seines Seins Entscheidungen treffen, aber nicht in dem Bereich, ob er frei sein möchte, um Entscheidungen zu treffen. Der Mensch sei ja dazu verurteilt, frei zu sein.

Ein Zwang kann ja determiniert sein und da sich der Mensch nach Sartre in die Kettenglieder des Determinismus einordnen muss, kann auch ein Mensch mit Zwängen frei sein. Wie stehst du zu Sartres` Gesamtaussage?

La: Ich denke auch, dass ein Mensch mit Zwängen usw. frei sein kann, zu einem hat er eventuell mal die Möglichkeit gehabt - oder hat sie immer noch – etwas gegen den Zwang zu tun, zum anderen hat er immer noch die Möglichkeit, sich dem Zwang zu entziehen, im radikalsten Fall durch Suizid.

Ich meine, dass Sartre Recht hat, wenn er sagt, dass der Mensch Entscheidungen treffen muss und auch kann. Doch denke ich, dass der Mensch stärker durch Einflüsse der Umwelt und durch Gene geformt wird, als Sartre dies annimmt. So haben Psychopathen häufig eine schlechte Kindheit gehabt, und auch wenn sie die Wahl haben diesem Leben zu entgehen, ist diese Vorstellung meiner Meinung nach etwas Realitätsfern.

Le: so isses ;)


H: Hallo M.! Was denkst du, wie sieht Sartre den Menschen?

M: Sartre sieht den Mensch als Wesen, das durch Rasse, Klasse, Sprache, Geschichte etc. geprägt wird. Durch diese Prägung ist der Mensch dann auch vollkommen verantwortlich für sein Handeln.

Ma: Ja, Michael, da gebe ich dir Recht, aber du hast vergessen, dass jeder Mensch nicht nur für sein eigenes Schicksal verantwortlich ist, sondern, dass sich die Schicksale der Menschen in vielen Bereich überschneiden. Bspw. der Arbeitgeber, der seinem Angestellten kündigt und dieser danach obdachlos wird.

H: Ja, ich kann euch beiden in den Punkten auch nur zustimmen. Als Letztes würde ich aber noch hinzufügen, dass Sartre die Existenzphilosophie als eine Art Synthese sieht und der Mensch daher auf der einen Seite determiniert ist und auf der Anderen aber indeterminiert. Wir können das insofern begründen, dass der Mensch von Anfang an an die Freiheit gebunden ist (Determinismus) jedoch dann seine Handlungen frei „wählt“ (Indeterminismus) und für alle Konsequenzen verantwortlich ist.

M: Da habt ihr beide Recht. Doch habt ihr euch einmal damit befasst, wie Sartre die Freiheit des Menschen sieht und wie er diese berurteilt? Wie ich oben schon gesagt habe, ist nach Sartre jeder Mensch für sein Handeln verantwortlich und somit frei in seinen Entscheidungen. Doch dieses Menschenbild hat einen erheblichen negativen Punkt, da durch diese Freiheit jeder Mensch eine schwere Last auf seinen Schultern trägt und nicht nur für sich sondern auch für die gesamte Welt verantwortlich ist.

Ma: Das war das, was ich versucht habe, euch darzulegen. Also sind wir uns in diesem Punkt schon mal einig. Aber es stellt sich mir noch die Frage, ob denn auch Menschen, die obdachlos sind, Alzheimer oder irgendwelche Zwänge haben, auch frei sind, ich meine, sie haben sich es ja nicht ausgesucht, oder? Also in Teilen vielleicht, da wir hier im deutschen Sozialstaat leben und niemand auf der Straße leben, muss aber für körperliche Versehrtheiten kann man doch nichts, ich meine sie haben es sich ja nicht ausgesucht. Da kommt man wirklich ins Überlegen, ob der Mensch in diesem Bereich nicht vielleicht determiniert ist. Was meint ihr dazu?

H: Ich denke, dass man laut Sartre sehr wohl etwas für seine körperliche Versehrtheit kann. Es steht ja immer einem frei, wie man sich im Leben verhält und welche Risiken man eingeht. Ausnahme ist natürlich die Behinderung, wenn man geboren wird. Alles im allen muss noch gesagt werden, dass Sartre meiner Meinung nach sehr nah am kategorischen Imperativ von Kant arbeitet und behauptet, dass jede Handlung eines einzelnen Individuums immer Auswirkung auf seine Umwelt hat. Ansonsten kann ich euch beiden in euren Behauptungen nur zustimmen. Ich denke, dass Sartre in seinen Behauptungen durchaus gute Stellungnahmen angibt und man ihn in existenzphilosophischer Sicht in als Vorbild sehen kann.

Also der Ausspruch "wir sind verurteilt, frei zu sein" kommt wie weiter richtig bemerkt von Sartre. Wenn man der Argumentation von Satre folgt (die meiner persönlcihe Meinung nach ziemlich gut ist), dann kommt man Tatsächlich dazu zu sagen, dass man nicht anders kann als frei zu sein. Die Frage ist nur erst mal wie kommt er dazu, um dann sagen zu können, warum sind wir verurteilt frei zu sein und ist das überhaupt so.^^ Es ist natürlich nicht einfach so ein die Argumentation von so nem fast 1200 Seiten Wälzer wie das "Sein und das Nichts" hier mal eben in so ne kleine Antwort zu pressen^^.

Ich werd das vielleicht mal mit ner ganz grundlegenden Schematik, so wie ich das verstanen habe, probieren, vielleicht klappts ja^^:

- Also Sartre trennt grundsätzlich (aufgrund seines phänomenologischen Ansatzes) das Sein in Dinge (An-Sich-Sein) und Sein des Menschen (Für-Sich-Sein, in etwa wie Heideggers Dasein).

- Das An-Sich-Sein ist bestimmt durch sein unabhängiges Sein

- Das Für-Sich-Sein ist durch Bewusstsein bestimmtes Sein (des Menschen)

- Das Für-Sich-Sein ist darum immer auf ein anderes Seiendes bezogen, d.h. ein Sein, das es nicht ist. Dieser Schritt kommt durch die Intentionalität (grob gesagt die Gerichtetheit) des Bewusstseins zustande. Das heißt wir haben immer etwas in unserem Bewusstsein, was sein Inhalt und Gegenstand der Betrachtung ist (etwa das Nachdenken über einen Tisch, dann ist der Tisch der Inhalt des Bewusstseins)

-  Das heißt aber auch, dass das Für-Sich-Sein immer auf etwas bezogen ist, was es nicht ist. D.h. der Mensch ist immer auf ein anderes Seiendes bezogen

- Der Mensch ist dadurch immer durch das Nichts von sich selber getrennt und ist nie Identität mit sich selber

- Das Für-Sich-Sein wird also konstitutiv von etwas durchzogen, was es nicht ist.

- Das Wesen des Bewusstseins kann also nur in seiner Existenz liegen. Dem vorrausgehend gibt es kein Wesen (also etwa die menschliche Natur, Wesen kann man ein wenig wie den griechischen Substanz Begriff auffassen).

- Dass aber wiederrum bedeutet, dass der Mensch erst ein Wesen durch seine Handlungen und Entwürfe schafft. Dadruch kommt dann das Wesen zustande.

- Wenn man jetzt diese Entwürfe des Wesens, was einen Menschen dann letztlich ausmacht, zurückverfolgen würde (Sartre nennt da als Möglichkeit die Psychoanalyse), dann würde man irgendwann an einen Punkt kommen, an dem die erste Entscheidung gefallen ist. Das ist die sog. Urwahl.

- Die Grundlage der Urwahl und damit des gesamten Wesens (weil es ja auf unseren Entscheidungen und Entwürfen basiert) kann nicht bestimmt werden, ist nicht nachvollziehbar und liegt jenseits aller Gründe. Hier wird man laut Sartre der Absurdität des Menschlichen-Seins voll ansichtig (hat er etwa in seinem Buch der Ekel verarbeitet).

- Daraus folgt jetzt aber, dass der Mensch nicht auf das faktisch gegebene reduziert werden kann, sondern er ist wozu er sich macht.

-> Und hier kommt dann der Punkt an dem Sartre, seine Meinung nach gezeigt hat, dass der Mensch zur Freiheit verurteil ist! Das erste Zitat was istdochegaltom gegeben hat beschreibt das aus meiner Sicht sehr gut. Weil wir nämlich dass sind wozu wir uns machen. Wir müssen Grenzen und Regeln nicht anerkennen. Wir sind in unserem Geiste nach Sartre immer frei, selbst wenn die Handlungsmöglichkeiten durch den Körper oder so etwas eingeschränkt werden, im Geiste sind wir frei. In diesem Sinne, beschreibt er auch eine bestimmte Art von Freiheitsbegriff.

- Diese Freiheit ist so radikal zu denken, dass gegenüber dieser Freiheit kein Akt der Freiheit mehr möglich ist (Also man kann sich nicht entscheiden nicht frei zu sein, weil auch das eine Entscheidung ist und auch eine Nicht-Entscheidung eine Entscheidung ist).

Was dann noch laut Sartre dazu kommt ist, dass aus dieser radikalen Freiheit, auch eine radikale Verantwortung für jede unserer Handlungen folgt. Wenn wir also so radikal frei sind, dann sind wir auch für all unsere Handlungen voll verantwortlich und auch voll verantwortlich für Unterlassungen (weil das wie gezeigt auch Entscheidungen unserer Freiheit sind).

 

So ich hoffe ich konnte nen bisschen helfen und meine Sartre Zusammenfassung ist irgendwie einigermaßen verständlich. Wenn da was nicht stimmt oder so, gerne auch korrigieren.

Ich finde man kann dem sehr gut glaube schenken. Bin also auch der Meinung, dass man im Sinne Sartres durchaus verurteilt dazu ist frei zu sein und für seine Handlungen Verantwortlichkeit übernehmen muss. Allerdings muss man bevor man das kann sich erst einmal bewusst werden, dass man frei ist und das ist glaube ich der wirklich schwierige Teil an der ganzen Konstruktion. Und dann gibt es da aus meiner Sicht noch das riesen Problem, dass man eigentlich auf eine solche Kostruktion keine Ethik aufbauen kann (oder wenn nur sehr schwer und vermutlich mit vielen Hilfskonstruktionen). Aber das ist auch nicht das Ziel einer solchen Untersuchung.

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